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Vorwaldverwerfung

Wanderungen • Schwarzwald
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Hubert Mutter 
  • Vorwaldverwerfung
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    Foto: Hubert Mutter, Community
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  • Straßenanschnitt mit hornblendereichen Anatexiten
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  • Die Schale, der Wasserteiler an der Murg zur Hännemer Wühre. Deutlich erkennbar ist die Drittelung des Wassers sowie das Steichwehr, welches das Überwasser wieder in die Murg zurückfließen lässt.
    / Die Schale, der Wasserteiler an der Murg zur Hännemer Wühre. Deutlich erkennbar ist die Drittelung des Wassers sowie das Steichwehr, welches das Überwasser wieder in die Murg zurückfließen lässt.
  • Die ausgebaute Turbinenanlage in der Wetterschutzhütte
    / Die ausgebaute Turbinenanlage in der Wetterschutzhütte
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  • Kluftnetz im Albtalgranit bei Schlagsäge
    / Kluftnetz im Albtalgranit bei Schlagsäge
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Karte / Vorwaldverwerfung

Wanderung mit Vorwaldverwerfung von Hottingen über das Energiemuseum zur Schlagsäge und wieder zurück
4,9 km
1:28 h
118 hm
118 hm

Vorwaldverwerfung

Der heimatkundliche Pfad bei Hottingen gewährt Einblicke in eine hier hervortretende, besondere geologische Erscheinung, sowie in die interessante Pflanzenwelt des Murgtales und nicht zuletzt in die Jahrhunderte alte Kunst der Wasserhaltung, einem besonderen Merkmal unserer Region.

Höhenlage
799 m
681 m
Beste Jahreszeit
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez

Ausrüstung

festes Schuhwerk, Wanderbekleidung

Wegbeschreibung

Der mit einem grünen Ring auf weißem Feld markierte Rundweg beginnt in Hottingen am Parkplatz beim Feuerwehrgerätehaus/Kindergarten und führt zunächst entlang der Murgtalstraße aufwärts. Eine weitere Parkmöglichkeit besteht unmittelbar nach dem Ortsschild in Richtung Schlagsäge auf der linken Straßenseite, wo auch die Orientierungstafel aufgestellt ist.Die Betroffenheit des Besuchers, der Straße folgen zu müssen, wird sich legen, wenn er erfährt, dass durch eine Hangabtragung beim Bau der Murgtalstraße die sogenannte „Vorwaldverwerfung", eine besondere geologische Erscheinung, sichtbar wurde.Man erreicht diese Stelle in wenigen Minuten vom Ortsausgang, kurz nach dem Abgang unseres markierten Weges ins Tal, muss also nach Besichtigung der Verwerfung dorthin zurückkehren. Straßenanschnitt mit hornblendereichen Anatexiten

Während des Ganges entlang der Straße beobachten wir links am Hang Steinblöcke aus Albtalgranit mit dem für ihn charakteristischen Kalifeldspat. Das Gestein erscheint uns massig und fest. An der Stelle der Vorwaldverwerfung angelangt, tritt uns auch hier Albtalgranit entgegen, das Gestein ist jedoch stark zerrüttet und durchbewegt.Wer dieser Besonderheit nachgeht wird feststellen, dass sie etwa 130 m anhält und dann das Gestein in höher metamorphe Gneise, die Anatexite, übergeht. Die geologischen Untersuchungen haben ergeben, dass dieser ca. 130 m breite Störungsstreifen das Vorwaldgebiet von Südosten nach Nordwesten durchzieht, daher der Name „Vorwaldverwerfung". Mit Verwerfung bezeichnet der Geologe einen Bruch in der Erdrinde, an dem sich Erdschichten gegeneinander verschoben haben. Die Vorwaldverwerfung konnte auch unterirdisch bestätigt werden, als die Schluchseewerk AG einen Stollen von der Murg zum Eggbergbecken bauen ließ. Unser Weg wird uns am Stolleneingang vorbeiführen.Zum Abgang des Wanderweges an der Straße zurückgekehrt, führt dieser jedoch zunächst an einem beachtenswerten Biotop entlang.

Floristische Betrachtungen am Wegesrand

Vor uns liegt eine von Schwarzerlen, Eschen, Weiden und Haselnußstauden eingerahmte Wiese, an der wir parallel zur Murgtalstraße entlangwandern. Wie ein Riegel spannt sich eine Mauer dieser Bäume, Himbeersträucher (Rubus idaeus), Brombeersträucher (Rubus fructicosus) und Brennesseln (Urtica dioica) über unseren Weg.Nach Durchquerung dieses den Blick versperrenden Hindernisses, öffnet sich vor uns ein kreisrundes, idyllisches Wiesenbiotop.Gleich beim Betreten desselben begrüßt uns ein mächtiger Busch Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), der uns als Feuchtigkeitsanzeiger verrät, daß wir an einer Feuchtwiese stehen. Vor vielen Häusern des Hotzenwaldes stand er, weil seine Beeren begehrt waren. Ihr Fruchtfleisch enthält 25 - 65 mg Vitamin C pro 100 g Frischgewicht, außerdem Provitamin A. Auch andere Teile, so z.B. die Rinde des Busches, wurden für Heilzwecke benutzt. Man sagt dem Holderbusch geheimnisvolle Kräfte nach. Er soll böse Geister von den Häusern fernhalten.Reizvoll umringt wird er von den leuchtendweißen Blüten des eisenhutblättrigen Hahnenfußes (Ranunculus aconitifolius).Am Waldrand steht ein Faulbaum (Rhamnus frangula), dessen Rinde einen fauligen Geruch verströmt. Die in ihm enthaltenen Stoffe wirken stark abführend. Weil er zur Schießpulverherstellung benutzt wurde, wird er auch Pulverbaum genannt.Aus den hier dominierenden Gräsern, wie die Braunsegge (Carex fusca), die Rispensegge (Carex panicea), Steife Segge (Carex elata), Schnabelsegge (Carex rostrata) und anderen, winkt der vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiforum), durch dessen engen Blüteneingang nur die langrüsseligen Hummeln an den Nektar gelangen.Die Blätter der Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) sind schon Ende Mai/Anfang Juni zu sehen.Gelbweiderich, oder nach seiner Blattform Pfennigkraut (Lysimächia nummalaria) genannt, und der Blutweiderich (Lythrumsalicaria) zeigen sich hier. Der Blutweiderich hat nicht nur wegen seiner Blütenfarbe diesen Namen bekommen, sondern weil er früher als blutstillende Heilpflanze verwendet wurde.Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria), die Wiesenkönigin, taucht die Hotzenwälder Feuchtwiesen wie in einen weißen Schaumteppich.Auch den Waldgeißbart (Aruncus dioicus) treffen wir hier an. Sein Samenkorn wiegt nur 0,08 mg und wird sogar durch die leichten Luftströmungen, die durch Sonneneinstrahlung entstehen, emporgehoben und fortgetragen.Im gegenüberliegenden Erlenbruch finden wir im zeitigen Frühjahr die unter Naturschutz stehenden wilden Schneeglöckchen (Galanthus nivalis). Leider werden sie häufig von uneinsichtigen Zeitgenossen ausgegraben und in ihre Gärten gepflanzt.Hier steht auch zwischen schlanken Schwarz-Erlen vereinzelt der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus). Echter Sturmhut oder Venuswagen liest man zwei weitere Namen im Naturführer.

Überall, wie einen Saum die Wiese umgebend, erblicken wir die großen, rundlich-herzförmigen Blätter der Weißen Pestwurz (Petasites albus). Der Name erinnert an die frühere Verwendung der Pflanze als Pestheilmittel.Schilf, Igelkolben (Sparganium ramosum), die Pestwurz, Sumpfdotterblumen (Caltha palustris) und junge Erlen begleiten das kleine Bächlein am Ende dieser Matte, die in allen Jahreszeiten für den interessierten Wanderfreund Überraschungen birgt.Vor uns breitet sich eine große Wiese aus, an deren Rand unser Wanderweg in Richtung Murgbach entlangführt.Links von uns erhebt sich eine Vielfalt verschiedener Laubbäume, wie die Birke (Betula pendula), der Bergahorn (Acerpseudo platanus), die Eberesche oder Wilde Vogelbeere (Sorbus aucuparia) deren Beeren im Herbst weithin leuchten, verschiedene Weidenarten wie die Salweide (Salix caprea), die Silberweide (Salix alba) und die Korbweide (Salix viminalis), Haselnußsträucher, Roter Holunder (Sambucus racemosa), auch Trauben- oder Hirschholder genannt, und immer wieder die Erle.Jenseits unseres Weges, dort wo der Erlenbruch sich spitz in die Wiese schiebt, befindet sich ein ganzes Feld von geflecktem Knabenkraut (Dactylorhiza maculata), ein immer mehr durch starke Düngung zurückgehendes Orchideengewächs. Die bestäubenden Insekten suchen mit ihren Rüsseln in den langen Sporen vergeblich nach Nektar.Der Wanderweg, auf dem wir uns befinden, ist auf dem Aushubmaterial des in kurzer Entfernung liegenden Wasserstollens angelegt. Hier auf dem mageren Boden, wo überall Schuttmaterial aus Urgestein hervorblickt, hat sich eine andere Flora als die in dem hinter uns liegenden Biotop entwickelt.Hier steht der Sauerampfer (Rumex acetosa). Er erzeugt bis zu 400 Millionen Pollenkörner pro Pflanze.Weithin leuchtet die Weiße Margerite (Chrysanthemum leucanthemum). Der Wiesen- Storchschnabel (Geranium pratense) schleudert seine Samen mit einem Schleudermechanismus bis 2,5 m weit. Der Gemeine Beifuß (Artemisia vulgaris) liebt Straßen- und Bahndämme und somit auch die sen hier aus Schutt bestehenden Boden. Er riecht aromatisch. Das Blauviolett der Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) fällt auch ins Auge. Sie gilt als alte Heilpflanze.Der Gemeine Frauenmantel ist hier zu Hause. Seine rundlich-nierenförmigen Blätter erinnern an einen Frauenmantel, wie er oft auf alten Marienbildern dargestellt ist. Im Mittelalter schrieb man ihm Zauberkräfte zu. So war er Requisit der „Goldmacher".Der Name des Acker-Stiefmütterchens (Viola tricolor) bezieht sich nach der Volksdeutung auf die ungleich gestalteten und gefärbten Blütenblätter. Das unterste Blütenblatt ist die „Stiefmutter"; die beiden anschließenden, meist ähnlich gefärbten Blütenblätter symbolisieren die „Töchter"; die obersten, meist andersgefärbten Blütenblätter die „Stieftöchter".Schuttablagerungen liebt die Sonnenwend-Wolfsmilch (Euphorbia helioscopia). Sie dreht ihre Blütenstände dem Licht zu. Der Milchsaft kann auf der Haut Entzündungen hervorrufen.Auffällig unter den hier vorkommenden Wiesenblumen ist auch der Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), dessen Staubblätter und Griffel so gelenkig sind, dass sie sich beim Einführen des Rüssels der bestäubenden Insekten herablkrümmen und den Hinterleib berühren.Kurz bevor wir um den Eingang des Wasserstollens biegen, verführen ein paar leuchtend rote Walderdbeeren (Fragaria vesca) zu einer kleinen Mahlzeit. Die Beere galt im Mittelalter als Sinnbild der Verlockung.Im allgemeinen herrscht in diesen Lagen ein submontaner (d.h. fur die unteren Bergstufen charakteristischer) Mischwald (1) vor, eine der seltenen naturnahen Waldgesellschaften, in dem Fichte, Tanne und Rotbuche wesentlich vorkommen.Noch in das Betrachten der Flora versunken, vernimmt der fortschreitende Wanderer stärker werdendes Wasserrauschen und befindet sich bald an der sogenannten Murgfassung der Schluchseewerk AG.

Die Nutzung der Wasserkräfte

spielte im Hotzenwald seit Jahrhunderten eine bedeutende Rolle. Früher wurden die Wasserkräfte zum Antrieb der Mühlen, Sägewerke und Hammerwerke verwendet (s. Anm. 2). Heute haben sich die Nutzungmöglichkeiten gewandelt. Hier wird der Murg ein Teil des Wassers entnommen und durch einen 6,75 km langen Stollen dem Eggbergbecken zugeführt. Von dort wird es den Turbinen des Kavernenkraftwerkes in Bad Säckingen zugeleitet.Ein anderer Teil wird in einen künstlichen oberirdischen Wasserlauf abgezweigt, dessen Trasse seit Jahrhunderten besteht. Es ist das „Hännemer Wuhr", auch Hänner Wühre genannt, welches nach 11,5 km bei Laufenburg in den Hochrhein mündet. Die Stelle der Abzweigung für das Hännemer Wuhr liegt 720 m über NN. Die Schale, der Wasserteiler an der Murg zur Hännemer Währe. Deutlich erkennbar ist die Drittelung des Wassers sowie das Steichwehr, welches das Überwasser wieder in die Murg zurückfließen lässt.Nach den 1910 erteilten Genehmigungen laufen am Wasserteiler 21/60 (35%) in das Wuhr, 39/60 (65%) der Wassermenge behält die Murg. Die mittlere Wasserführung an der Verteilung, genannt Schöpfe oder Schale, beträgt 300 Liter/sec. An der Gemarkungsgrenze zwischen Hottingen und Hänner bestimmte das „Maß" die Mindestwasserführung, die an Wässertagen im Wuhr verbleiben musste.Wuhr oder Wühre bedeutet im Alemannischen soviel wie Kanal. Wuhre sind künstliche Wasserläufe, die in Kombination mit natürlichen Bächen Wasser auffangen und dieses über weite Strecken und Windungen an den Hängen entlang den Verbrauchsstellen zuführen.Die Wuhre besitzen meist rechteckigen Querschnitt mit Sohlenbreiten zwischen 0,3 und 1,0 m und sind 0,2 bis 0,5 m tief. Ihre Wasserführung liegt zwischen 50 und 300 Liter/ sec. Ihren Anfang nehmen sie im Höhenbereich von 720 bis 840 m. Sie werden mit etwa 2% Gefalle geführt und münden ca. 300 m über NN in den Hochrhein.Ein Wuhr kann auf- und zugeworfen werden, das Wasser kann man abkehren, aufkehren, auskehren, einkehren und zukehren, es kann aus- und eingeschlagen, abgeschlagen, abgeführt und von den Matten genommen werden. Hierzu verwendete man die Wuhraxt.Warum wurden diese für die damalige Zeit ungeheuer teuren Wasserwirtschaftsanlagen gebaut?Mit der im Spätmittelalter ansteigenden Bevölkerungszahl musste der Ernährungsertrag pro landwirtschaftlich genutzter Flächeneinheit durch die Intensivierung der Getreideerzeugung gesteigert werden. Zugleich stieg die Nachfrage nach Eisen. Das Mahlen der größer werdenden Getreidemengen, sowie das Erblasen des erforderlichen Eisens waren nur durch vermehrten Einsatz von Wasserkraft zu schaffen.Damit einher ging ein gewaltiger Holzeinschlag auf dem Wald, denn für die Erzeugung einer Gewichtseinheit Eisen musste man ca. das 20-fache an Frischholz einsetzen. Die Eisenwerke des Hammerbundes am Hochrhein haben zwischen 1494 und 1743 mindestens 1,9 Mio. t Holz verbraucht.Die Wuhre wurden also angelegt, um für Mühlen und Hammerwerke die großen Mengen an Aufschlagwasser heranzuführen und gleichzeitig die Wiesen zu bewässern. Durch das Wässern der Wiesen erfolgte ein Düngereintrag, gleichzeitig erwärmte das Wasser im Frühjahr den Boden schneller, so dass die Vegetation viel eher einsetzte.Die anliegenden Orte durften nur zu bestimmten Zeiten, z.B. an Sonn- und Feiertagen, den Wuhren Wasser zur Wiesenbewässerung entnehmen. Über die Ableitung des Wassers zu den gewerblichen Nutzern und der Wiesenwässerung entstand zwischen den Berechtigten des öfteren Streit. Es wurde Versucht, durch Erlaß von Wuhrordnungen und Schiedsbriefen, einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen herzustellen. Die hierüber ausgestellten Urkunden befinden sich in den Gemeinde- und Staats-Archiven.Die älteste schriftliche Erwähnung des Hänner Wuhres enthält der am 20. Juli 1477 abgeschlossene Vertrag zwischen den Müllern und Hammerschmieden in Laufenburg und der Gemeinde Hänner. Der Originalvertrag von 1477 ist nicht mehr vorhanden. Aber sein Inhalt wiederholt und bestätigt die Urkunde vom 12. Juli 1574. Eine Abschrift aus dem Jahre 1613 befindet sich im Gemeindearchiv von Rickenbach. Die Entstehung des Wuhres kann im 12. Jh. angenommen werden, denn 1207 werden bereits die Hammerwerke in Laufenburg erwähnt, die auf das Wasser der Wuhre angewiesen waren.Ein anderer Wasserlauf, das „Heidenwuhr", welches nach 14 km sein Wasser aus dem Hornberggebiet bei Bad Säckingen in den Rhein entläßt, wird schon 1457 genannt.Das „Hochsaler Wuhr", welches wir auf unserer Wanderung auch sehen werden, ist mit 19 km das längste, samt Seitenwuhren sogar 27 km lang, und wird schon 1335 urkundlich belegt.Als man zur Stahlerzeugung Steinkohle statt Holzkohle verwendete, mussten die (mit Holzkohle betriebenen) Eisenwerke am Hochrhein um die Mitte des vorigen Jahrhunderts ihre Pforten schließen. Geblieben sind die Wuhre und die Wasserrechte, die heute noch vielfach zur Stromerzeugung genutzt werden.Ein solches kleines Turbinen-Kraftwerk sehen wir schon nach wenigen Schritten murgaufwärts. Nach langjährigen Planungen und Verhandlungen wurde in Hottingen 1906 mit dem Bau einer Fabrik begonnen. Noch Ende des gleichen Jahres konnte die Mechanische Weberei in Hottingen mit 166 Webstühlen für 30 Beschäftigte in Betrieb gehen. Sie wurde allerdings zunächst von einer Lokomobile versorgt, solange sich das Kraftwerk noch im Bau befand.Unter dem Leitspruch: „Mög dies' Werk den Stürmen trotzen und Segen bringen allen Hotzen" wurde das Kraftwerk im August 1908 in Betrieb genommen. Somit konnte die Weberei Hottingen ab diesem Zeitpunkt mit eigener elektrischer Energie betrieben werden. Nachstehend einige technische Daten der alten Anlage für den Interessierten: Hersteller der Turbine: Escher-Wyss, RavensburgBaujahr: 1908Bauart: Horizontale Francis- SpiralturbineWassermenge: 500 Liter/sec.Fallhöhe: 57,4 mLeistung: 300 PS, entspr. 220 KWDrehzahl: 750 U/Min.Generator: Siemens-SchuckertSpannung: 3000 VStrom: 3 x 42.5 A Dauerbetrieb

In der Weberei wurde damit ein 135-PS 3000 V Drehstrommotor angetrieben. Während des zweiten Weltkrieges installierte man auf den bereits 1906 vorbereiteten Fundamenten eine zweite Turbine mit Generator.Die alte Anlage verrichtete ihren Dienst von 1908 bis 1976. Danach wurde sie ausgebaut und generalüberholt. Jetzt hat sie einen Ehrenplatz gefunden in einer Wetterschutzhütte vor dem Eingang zur Schaltanlage Kühmoos der Schluchseewerk AG. Dort kann jedermann diese technische Pionierleistung des Hotzenwaldes besichtigen.Man erreicht diesen Standort auf der Kreisstraße von Willaringen nach Egg, beim Schild "Schluchseewerk Kühmoos" nach ca. 400 m. Die ausgebaute Turbinenanlage in der Wetterschutzhütte.

Haben wir uns am (und wenn möglich auch im) Kraftwerk umgesehen, wenden wir uns dem weiteren Verlauf unseres Pfades zu, der sich jetzt über die Wiesen - die Murg kreuzend- steil zum Waldrand hinaufschlängelt. Wir folgen dem ehemaligen Schlagwuhr nordwärts, wo wir bald dessen Beginn im Wald sehen können. Ein letzter kurzer Anstieg bringt uns auf das Niveau der unter dem Weg verlaufenden Rohrleitung, welche das Aufschlagwasser fur das Kraftwerk heranführt.Wer die Entnahemestelle aus der Murg sehen will, wende sich einige Meter nach links. An der Stelle angelangt, wo bis vor einigen Jahren eine Schlagsäge betrieben wurde, befindet sich der Sperrschieber und das Rechenhaus für das Zuleitungsrohr zum Kraftwerk. Wir folgen jetzt der nur leicht fallenden Rohrleitung unter unserem Wanderweg. Ihre Lage ist an den Revisionsdeckeln leicht erkennbar. An dieser Strecke sehen wir wieder viele Köhlerplätze (2).Schließlich gelangen wir an ein Gebäude, das Wasserschloß, worin sich die Absperrung für die von hier aus nach unten zum Turbinenhaus führende Rohrleitung befindet. Mit dem Wasserschloß werden die Wasserdruckschwankungen ausgeglichen, die sich beim Abstellen der Turbinen ergeben. Das Wasser hat in diesem Bauwerk die Möglichkeit, sich auszupendeln.Wer jetzt schnell nach Hottingen zurück möchte, wählt den Waldweg abwärts, der zuerst das Hännemer Wuhr, dann die Murg kreuzt und zum Ausgangspunkt zurückführt.Der markierte Weg wendet sich jedoch vom Wasserschloß bergauf bis zum „Hochsaler Wuhrpegel", wo ein Venutri-Gerinne für die Wassermengenmessung zu sehen ist.Wir wenden uns wieder vom Wuhr ab und folgen in weitem Bogen über das Gewann Giegel dem Weg abwärts nach Hottingen zurück und erfreuen uns an der Aussicht gegen Süden. Vielleicht sind an diesem Tage sogar die Alpen zu sehen. Kluftnetz im Albtalgranit bei SchlagsägeEin Hinweis: Wenn wir am Zusammentreffen der beiden Straßen L 151 und L 152 beim Sägewerk „Schlagsäge" noch einen kleinen Abstecher machen, können wir an dieser Stelle eine hohe Wand von stark zerklüftetem Albtalgranit sehen. Diese zieht sich bis zur Abzweigung nach Niedergebisbach hin. Wir gehen links die Straße Richtung Altenschwand entlang. Rechterhand ist der Albtalgranit über 200 m weit bis zur nächsten Linkskurve lückenlos aufgeschlossen. Neben den dunklen Einschlüssen ist am westlichen Ende der Wand die fir Granite charakteristische schalige Absonderung zu beobachten. An der scharfen Rechtskurve stehen wieder Anatexite mit hohem Hornblendegehalt an, die bis zur unteren Straße reichen. Es folgt nun eine gerade Straßenführung, erst kurz vor der langgezogenen Linkskurve stoßen wir wieder auf Albtalgranit.Oberhalb der nächsten Rechtskurve ragt eine kleine Klippe mit hornblendereichen Anatexiten aus dem Waldboden. (Links der Straße befindet sich ein kleiner Platz).

Anreise mit der Bahn, dem Auto, zu Fuß oder mit dem Rad

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Strecke
4,9 km
Dauer
1:28 h
Aufstieg
118 hm
Abstieg
118 hm

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